Kinderschutz im Märkischen Kreis
Veröffentlicht: Freitag, 18.09.2026 15:48
Rund 170-mal mussten Jugendämter im Märkischen Kreis im vergangenen Jahr eingreifen - zwölf Prozent weniger als zuvor. Zum Weltkindertag zeigt der Kreis auch, wie er Prävention und Beratung im Kinderschutz ausbaut.
Weltkindertag im Märkischen Kreis
Am Sonntag, dem 20. September, ist Weltkindertag. Der Aktionstag soll auf die Rechte, Bedürfnisse und den Schutz von Kindern aufmerksam machen. Das Thema wurde auch jüngst im Jugendhilfeausschuss im Kreishaus in Lüdenscheid besprochen: Insbesondere ging es hierbei um die staatliche Inobhutnahme von Kindern und Jugendlichen. Im Märkischen Kreis haben Kreisjugendamt und die weiteren Jugendämter der größeren Städte im Jahr 2025 insgesamt 171 Kinder und Jugendliche in staatliche Obhut genommen. Das sind 23 Fälle weniger als im Vorjahr – und damit ein Rückgang von rund zwölf Prozent. Das geht aus aktuellen Daten des Statistischen Landesamts IT.NRW hervor. Inobhutnahmen sind staatliche Notfallmaßnahmen: Das Jugendamt nimmt Minderjährige vorübergehend aus ihrer bisherigen Umgebung heraus, wenn ein unmittelbares Handeln zu ihrem Schutz geboten erscheint. Untergebracht werden Kinder und Jugendliche dann in einem Heim, einer Pflegefamilie oder einer betreuten Wohnform.
Deutlich weniger unbegleitete Einreisen aus dem Ausland im MK
Der Rückgang der Gesamtzahl ist vor allem auf eine bestimmte Gruppe zurückzuführen. Inobhutnahmen nach unbegleiteten Einreisen aus dem Ausland sanken im Märkischen Kreis von 89 auf 33 Fälle – ein Minus von rund 63 Prozent. Damit spiegelt der Märkische Kreis den landesweiten Trend wider: Auch in ganz NRW gingen diese Fälle laut IT.NRW um rund 44 Prozent zurück. Das Statistische Landesamt verweist darauf, dass im Jahr 2025 auch die Nettozuwanderung aus dem Ausland nach NRW insgesamt gesunken ist.
Anstieg bei Überforderung der Eltern und Anzeichen für Misshandlung
Gestiegen sind dagegen Inobhutnahmen aus anderen Gründen. Fälle wegen Überforderung der Eltern nahmen von 55 auf 68 zu – ein Zuwachs von rund 24 Prozent. Anzeichen für körperliche Misshandlung stiegen von 25 auf 33 Fälle, Anzeichen für psychische Misshandlung von 12 auf 19. Damit liegt der Märkische Kreis im Trend der landesweiten Entwicklung: Auch NRW-weit stiegen die sogenannten regulären Inobhutnahmen leicht an – auf rund 9.900 Fälle, ein Plus von rund einem Prozent gegenüber 2024.
Märkischer Kreis stärkt Prävention und Beratung im Kinderschutz
Der Märkische Kreis reagiert auf die Entwicklungen mit dem Ausbau von Unterstützungsangeboten. Das Kreisjugendamt beteiligt sich gemeinsam mit der Stadt Lüdenscheid an einem Trainingsprogramm zur Vermeidung häuslicher Gewalt. Das Programm richtet sich an Erwachsene, die bereits Gewalt in Beziehungen ausgeübt haben, und soll Rückfälle verhindern. Zudem werden spezialisierte Beratungsstellen bei sexualisierter Gewalt gegen Kinder gefördert – beim AWO-Unterbezirk in Meinerzhagen und beim Caritasverband im Kreisdekanat Altena-Lüdenscheid. Der Märkische Kreis trägt dabei einen Teil der Finanzierung. In Menden gibt es seit knapp 2 Jahren ein eigenes Kinderschutznetzwerk.