Zwischen Supermarkt und Football-Traum
Veröffentlicht: Dienstag, 25.08.2026 06:30
Dreimal die Woche Training, dreimal Meetings und dazu Auswärtsspiele mit Hotelübernachtungen: Für Aaron Große Kleimann aus Erwitte und Luca Berdelmann aus Lippstadt ist Football längst kein Hobby mehr. Beide stehen bei Rhein Fire in der American Football League Europe (AFLE) auf dem Platz - und beide träumen von Amerika.
Zwischen Supermarkt und Football-Traum
Für Aaron Große Kleimann aus Erwitte ist Football längst mehr als nur ein Hobby. Gemeinsam mit Luca Berdelmann aus Lippstadt steht er bei Rhein Fire in der American Football League Europe (AFLE).
Lippstädter mit NFL-Ambitionen
Luca Berdelmann, 29, ist Defensive Coordinator bei Rhein Fire, zuständig für die taktische Ausrichtung der Verteidigung. Der gebürtige Lippstädter hat zuvor unter anderem die Lippstadt Eagles und die Paderborn Dolphins trainiert. Seit 2025 gehört er zum Coaching Staff in Duisburg. Im Frühjahr 2026 wurde er für die National Coaching Academy der Tampa Bay Buccaneers ausgewählt - einer von 25 Coaches aus aller Welt, die in Florida Einblicke in die Arbeit eines NFL-Teams bekamen. Das Ziel dahinter ist klar:
„Am liebsten würde ich irgendwann nach Amerika. Ob das schon in zwei Jahren ist, weiß ich nicht, aber der Traum ist es ganz klar, rüberzugehen." - Luca Berdelmann, Defensive Coordinator Rhein Fire.
Football bestimmt bei ihm nicht nur den Job, sondern das gesamte Leben:
„Mein ganzes Leben ist ohnehin auf Football ausgelegt, auch privat - von daher ist das für mich kein Problem." - Luca Berdelmann, Defensive Coordinator Rhein Fire.
Wie alles begann: Von Erwitte nach Lippstadt
Aaron Große Kleimann, 24, spielte lange Zeit Fußball - rund 14 oder 15 Jahre. Dann brachten ihn Freunde aus Erwitte zu den Lippstadt Eagles. Dort traf er auf Luca Berdelmann, der damals Head Coach der Jugendmannschaft war.
„Ich bin zum Training nach Lippstadt gegangen, und da war Luca damals schon Head Coach der Jugendmannschaft - da habe ich recht schnell Feuer gefangen. Bei meinen Eltern war es eigentlich genauso: Die hatten überhaupt keine Ahnung von Football und noch nie ein Spiel gesehen, mittlerweile sind sie total begeistert. Sie sind bei jedem Heimspiel dabei, fahren sogar zu Auswärtsspielen - auch damals, als ich noch in Berlin war - und schauen inzwischen sogar unabhängig von mir privat zu Hause Football, weil sie einfach so in den Sport reingewachsen sind. Mittlerweile haben sie wirklich ein gutes Verständnis dafür." - Aaron Große Kleimann, Defensive End Rhein Fire.
Der Weg über Berlin und die USA
Vom Kreis Soest ging es für Große Kleimann zunächst nach Berlin. Dort spielte er von 2022 bis 2025 für Berlin Thunder, ehe er zur Saison 2026 zu Rhein Fire wechselte. 2025 wurde er als Second Team All-Star ausgezeichnet. Den Weg dorthin ebnete unter anderem ein Camp in Berlin, bei dem er den früheren NFL-Profi Björn Werner kennenlernte. Danach verbrachte er vier Monate an der Fork Union Military Academy im US-Bundesstaat Virginia - einem Umfeld, in dem Football einen ganz anderen Stellenwert hat als in Deutschland.
„In der Jugend geht man eher aktiv zu Camps. Ich war damals bei einem Camp in Berlin, dort habe ich Björn Werner kennengelernt, und dann ist das ins Laufen gekommen - dadurch bin ich letztlich auch in Berlin bei der ELF gelandet. Aber ich glaube, mittlerweile gibt es gerade im europäischen Football, so wie der sich die letzten Jahre entwickelt hat, auch Scouts aus Amerika, die sich die Ligen angucken und sagen: Okay, der Spieler oder auch der Coach ist interessant - wie man ja bei Luca gesehen hat. Und dann bekommt man seine Chancen." - Aaron Große Kleimann, Defensive End Rhein Fire.
Körper, Kilos und Kalorien
Körperlich bringt Große Kleimann beste Voraussetzungen mit: 2,04 Meter groß, rund 130 Kilogramm schwer. Dass diese Masse kein Zufall ist, erklärt er selbst:
„Früher war ich sehr dünn - oder sagen wir, ich bin knapp über zwei Meter groß, wiege jetzt 130 Kilo und habe bei derselben Größe früher mal 95 Kilo gewogen. Bei mir ist es daher eher eine Priorität, möglichst viel zu essen. Natürlich muss man darauf achten, genug Proteine und Nährstoffe reinzubekommen, aber das eigentliche Problem ist eher, dass man in der Saison zu wenig isst. Deshalb gilt: Viel hilft viel, einfach eine gute Menge essen." - Aaron Große Kleimann, Defensive End Rhein Fire.
Pendeln, Studium und Supermarkt
Vier Jahre lebte Große Kleimann in Berlin. Jetzt ist er zurück im Kreis Soest - und pendelt von dort zu Rhein Fire. Der Weg zum Training ist dabei alles andere als kurz:
„Wir starten in Erwitte, das heißt, ich fahre erstmal rüber nach Lippstadt. Von dort geht es mit dem Zug 20 bis 25 Minuten - wenn er pünktlich ist - nach Westhün kurz vor Hamm, wo wir dann mit dem Auto eingesammelt werden. Danach ist es noch einmal etwa eine Stunde, bis wir am Trainingsplatz sind." - Aaron Große Kleimann, Defensive End Rhein Fire.
Und zurück geht es ähnlich lang:
„Zurück geht es meistens etwas schneller, weil unser Coach fährt und aufs Tempo drückt. Aber normalerweise müssen wir den Zug um 23:14 Uhr nehmen, sind dann um Viertel vor zwölf wieder in Lippstadt, und danach fahre ich noch rüber nach Erwitte." - Aaron Große Kleimann, Defensive End Rhein Fire.
Neben dem Trainingsaufwand - dreimal die Woche Training, dreimal Meetings, dazu Spiele mit Auswärtstrips und Hotelübernachtungen - studiert Große Kleimann Sportmanagement im Fernstudium. Den Master macht er so flexibel, dass er Vorlesungen um das Training herum legen kann. Dazu jobbt er als Werkstudent:
„Ich arbeite nebenbei noch ein paar Stunden im Supermarkt als Werkstudent, um mir etwas dazuzuverdienen. Da stehe ich dann zweimal vormittags an der Kasse." - Aaron Große Kleimann, Defensive End Rhein Fire.
Playoffs im Blick
Bei Rhein Fire läuft die Saison 2026 gut. Das Team gehört zu den Spitzenteams der AFLE und hat die Playoff-Teilnahme bereits sicher. Für Berdelmann und Große Kleimann bedeutet das: noch mehr Football, noch mehr Reisen - und noch mehr Gelegenheiten, auf sich aufmerksam zu machen. Denn Scouts aus den USA schauen sich laut beiden mittlerweile auch die europäischen Ligen per Video an. Manchmal klingelt dann einfach das Telefon.