Aggressivität im Verkehr: Soester Fahrlehrer warnt
Veröffentlicht: Mittwoch, 19.08.2026 06:14
Drängeln, hupen, schimpfen - auf deutschen Straßen wird der Ton rauer. Laut einer Studie des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft hat die Aggressivität im Straßenverkehr deutlich zugenommen. Ein Soester Fahrlehrer erklärt, warum das gefährlich ist - und was jeder selbst dagegen tun kann.
Studie belegt: Aggressivität im Straßenverkehr nimmt zu
Stress, schlechte Laune, Zeitdruck - und dann noch ein Stau auf dem Heimweg. Für viele Autofahrerinnen und Autofahrer ist das eine Kombination, die schnell zu Frust hinter dem Steuer führt. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft hat in einer Studie untersucht, wie aggressiv es auf deutschen Straßen zugeht - und das Ergebnis ist eindeutig: Die Aggressivität hat deutlich zugenommen. Fast jede zweite Person am Steuer hat demnach schon einmal gedrängt oder andere Verkehrsteilnehmer angeschimpft.
Soester Fahrlehrer: "Die Unfälle passieren nach Feierabend"
Lars Stutte aus Soest ist Fahrlehrer und beobachtet das Thema aus nächster Nähe. Er hält die Entwicklung für gefährlich - sieht aber auch Möglichkeiten, gegenzusteuern. Besonders auffällig sei für ihn, zu welcher Tageszeit es auf den Straßen brenzlig wird:
"Also die meisten Unfälle passieren ja im Feierabendverkehr, nicht morgens im Berufsverkehr, wenn es zur Arbeit hingeht. Zur Arbeit hin will keiner schnell, aber nach Hause will jeder schnell. Und dann passieren die Unfälle. Und wenn man dann einfach sagt, komm, ob ich jetzt zwei Minuten früher zu Hause bin oder zwei Minuten später, ist doch eigentlich egal." - Lars Stutte, Fahrlehrer aus Soest.
Bewusstsein als erster Schritt
Zeitdruck ist nach Einschätzung von Lars Stutte einer der häufigsten Auslöser für aggressives Fahren. Sein Rat: Schon vor dem Einsteigen kurz innehalten und sich die eigene Verfassung bewusst machen.
"Das Erste und Wichtigste ist, dass man sich dessen bewusst wird, dass man also bevor man sich ins Auto setzt schon mal kurz denkt, okay, ich hatte einen echt anstrengenden Tag und jetzt will ich aber noch normal sicher nach Hause kommen. Und in dem Moment, wo ich mir das bewusst mache, fahre ich schon ruhiger." - Lars Stutte, Fahrlehrer aus Soest.
Eltern prägen den Fahrstil ihrer Kinder
Stutte macht aber nicht nur persönlichen Stress für aggressives Fahren verantwortlich. Gerade bei jungen Fahrerinnen und Fahrern spiele auch das Elternhaus eine große Rolle - als Vorbild, positiv wie negativ:
"Sagen wir mal, man merkt so ein bisschen die Prägung des Elternhauses. Also man kann schon ungefähr deuten, sind die Eltern eher flott unterwegs oder eben nicht so, vielleicht vernünftiger oder wie auch immer. Und wenn man so sehr sportliche Eltern hat, dann wollen die Kinder auch immer so fahren wie die Eltern. Und dann muss man doch ein bisschen mehr reden, dass das nicht unbedingt sinnvoll ist." - Lars Stutte, Fahrlehrer aus Soest.
Auch Radfahrer fallen auf
Das Problem beschränkt sich nicht auf Autofahrerinnen und Autofahrer. Laut der Studie zeigt sich auch bei Radfahrenden ein zunehmend rücksichtsloses Verhalten: 43 Prozent von ihnen erzwingen demnach hin und wieder die Vorfahrt.